
The Gap 2022
Klebefolie auf Glas
Die Arbeit ist eine ortsbezogene Intervention an den einander zugewandten Glasfassaden zweier Hörsäle am Institut für Physik der Universität Rostock. Auf die Scheiben sind zeichnerische Darstellungen von Händen aufgebracht. Beide Gesten zeigen einen ausgestreckten Zeigefinger, der jeweils auf einen Punkt gerichtet ist.
Die Zeichnungen befinden sich in unterschiedlichen Ebenen. Wären sie auf der selben Fläche angebracht, würden die Finger aufeinander treffen. Stattdessen bleibt zwischen ihnen ein architektonisch bedingter Abstand. Die Geste verweist auf eine Verbindung, die nahegeliegt, aber nicht eingelöst wird.
Aus der Position des Betrachters lässt sich die Hand auf der eigenen Seite als Maßstab des Makroskopischen lesen, während die gegenüberliegende Geste dem Mikroskopischen zugeordnet werden kann. Diese Zuordnung ist jedoch nicht stabil. Wer die Seite wechselt, erfährt die gleiche Konstellation aus umgekehrter Perspektive.
Durch die Veränderung desStandpunkts kann eine optische Annäherung der beiden Hände hergestellt werden. Dabei verschieben sich Maßstab und Proportion. Die Gesten scheinen sich zu verbinden, ohne gleich zu werden. Die Arbeit oszilliert zwischen Nähe und Differenz, zwischen den Ebenen von Mikro- und Makrokosmos.
The Gap macht diese Beziehung körperlich erfahrbar. Die Lücke bleibt bestehen, wird jedoch als Verhältnis sichtbar, das sich nur durch Bewegung, Wahrnehmung und Perspektivwechsel erschließt.
Hörsäle des physikalischen Instituts der Universität Rostock, anlässlich Day Of Light 2022

