Faust










 

Faust 2021

Lackfarbe auf Glasquader mit Sockel
60cm x 40cm x 35cm (Sockel 100cm x 40cm x 35cm)

Auf einem Glasquader ist eine nach oben gereckte, bandagierte Faust zu sehen. Die Siegerpose zeichnet sich nur in den schwarzen Linien auf dem Glas ab, das Innere des transparenten Quaders ist leer. Der Körper des Sportlers/ der Sportlerin ist eine Illusion, denn er wird nur durch die Zeichenlinie angedeutet.

Im Ausstellungsraum wirkt die Glasbox wie eine Vitrine, die normalerweise dazu dient, Kostbares für längere Zeit zu bewahren. Dieser wertvolle Moment der Triumphgeste ist jedoch flüchtig und kann nicht dauerhaft konserviert werden. Die nächste Herausforderung wartet schon. Auch die Agilität und Kraft des Körpers wird nicht von Dauer sein. Das Objekt der Faust auf Glas vereint das Flüchtige und gleichzeitig die als Medienbild so einprägsame Siegerpose.

Tino Bittner entwickelt die Glasarbeit eigens für die Ausstellung.

Bittner arbeitet in seiner Kunst häufig mit Bewegungsstudien und kinematografischen Arrangements. Verschiedene Objekte werden illusionär in Bewegung gesetzt. Oftmals sind es Hände, die Gesten oder Fingerspiele vorführen. Die Hände werden auf transparente Bildträger wie Glasscheiben oder Folien gebracht, häufig nebeneinander oder hintereinander positioniert und wie in Stop-Motion-Technik vorgeführt. Die Bewegung ist jedoch eingefroren, denn die Bilder werden nicht als Film abgespielt. Stattdessen sind die Scheiben als Objekte im Raum platziert. Die Animation übernehmen die Besucher*Innen, wenn sie gedanklich das Motiv zu einem Körper zusammenbringen und diesen Körper in Bewegung versetzen.

Dr. Christina Katharina May, Katalogtext, Alte und Neue Meister, Schleswig-Holstein-Haus, Schwerin

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